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Geschichte der Tiki Cocktails

Die goldene Tiki-Ära fand von den 40er Jahren bis zu den 70er Jahren statt. Es war wohl das stärkste Phänomen in der amerikanischen Popkultur, da es in etlichen Bereichen verwirklicht wurde. Neben Musik, Anthropologie und Architektur, wurde auch die Mode, das Essen, Kunst und Getränke vom Tiki-Kult beeinflusst. Somit breitet sich die Tiki-Kultur weit aus und berührte Jung und Alt gleichermaßen. Die Tiki-Kultur war Amerikas romantische Liebesbeziehung mit der vergangenen polynesischen Kultur.

Der vorherrschende Tiki-Kult hat seine Ursprünge in den 40er Jahren der Vereinigten Staaten, als amerikanische Soldaten, die im Pazifik stationiert waren, am Ende des Zweiten Weltkriegs gegen Japan, verschiedene exotische Kunstfiguren als Souvenir mit nach Amerika brachten. Leute, wie Don the Beachcomber (Ernest Rayound Beaumont Grannt) und "Trader Vic" (Victor Jules Bergeron, geboren 1902) begannen Bars und Restaurants in diesem exotischen Stil zu eröffnen.

Der Tiki-Kult wurde schnell und bedingungslos angenommen, weil die amerikanische Bevölkerung sich von den Grauen des Kalten Krieges, von den Schrecken der Atombombe und von der Zeit, nach dem Zweiten Weltkrieg ablenken wollte.

Die erste Tiki Bar erschien im Jahr 1934 und wurde von Don Beach (Don the Beachcomber) am Hollywood Boulevard eröffnet. Als Highlight staffierte er seine Bar mit allerlei Mitbringsel aus dem Pazifik aus. Er war der erste Gastronom, der aromatisierte Sirups mit frischen Fruchtsäften und Rum mischte. Diese Getränke, auch bekannt unter  Rhum Rhapsodien, machten Don the Beachcombers Restaurants zwischen 1940 und 1960 zum Hot Spot für die Hollywood-Elite. Die bekanntesten Drinks von Don Beach waren der Hurrricane, Painkiller, Skorpion und Zombie.

Der Tiki-Stil war geboren und wurde weltweit erkennbar. Die Mythologie der Māori Neuseelands erzählt vom Tāne, dem Gott des Waldes, welcher den ersten männlichen Menschen namens Tiki schuf. Tiki war einsam und sehnte sich nach Begleitung. Eines Tages sah er die Spiegelung seiner selbst in einem kleinen Teich und dachte, er hätte jemanden gefunden und sprang hinein. Doch das Bild verschwand und Tiki war sehr enttäuscht und schüttete den Teich kurzerhand mit Erde zu. Daraufhin gebar der Teich eine Frau und Tiki lebte mit ihr in Unschuld, bis die Frau eines Tages durch einen Aal erregt wurde. Diese Erregung sprang auf Tiki über und es kam zum ersten Zeugungsakt. Seither werden die steinernen oder hölzernen Götterabbildungen, die für Fruchtbarkeit stehen, als Tikis bezeichnet.

Inspiriert von diesen Figuren ist auch die Form der bekannten Cocktailbecher (tiki mugs), welche sich mittlerweile als echte Sammlerobjekte etabliert haben.
 
Der Tiki-Style entsteht und verbreitet sich in Form einer Modewelle. Es war „Inn“ etwas Exotisches in seinen eigenen vier Wänden zu haben, auch wenn es nur kitschig von der Südsee inspiriert ist. Möbel, Kleidung, Tätowierungen flossen in diese Bereiche ein. Noch heute sind Strandfackeln und Möbel aus Schilf und Bambus ein Synonym für den Tikikult. Und wer kennt nicht die bunten, mit Mustern versehenen, Hawaii-Hemden?

Dieser Trend ging natürlich nicht ohne Auswirkungen an den Drinks vorbei. Fruchtig und frisch mussten diese sein, mit dem exotischen Etwas. Südfrüchte, wie Ananas und Maracuja fanden reißenden Absatz hinter den (Bambus-)Theken. Dazu noch ein abenteuerlicher Name und das Ding läuft. Als Beispiel hierfür sei der „Blood of the Kapu Tiki“ oder „Pahoehoe“ genannt. Nicht zu vergessen ist auch „Beachbum Berry“ Jeff Berry, der mit seinen Büchern Grog Log und Intoxica eine neue Tiki-Renaissance anbrechen lies.